Die bislang längste und ungewöhnlichste Erprobungskampagne, der ein Eurofighter jemals außerhalb seines Heimat-Standorts unterzogen wurde, ist erfolgreich beendet. Dies teilte die EADS am Donnerstag in München mit. Die Landung des instrumentierten Serienflugzeugs IPA4 von EADS Militärflugzeuge Spanien in Getafe bei Madrid bildete den planmäßigen Abschluss der so genannten CET-Tests (Cold Environmental Trials), bei der das Flugzeug vom 9. Dezember 2004 drei Monate lang in Vidsel am nordschwedischen Polarkreis extremer Kälte ausgesetzt wurde. Zweck der umfassend dokumentierten Übung war es, das modernste europäische Kampfflugzeug und seine Systeme unter den unwirtlichen arktischen Bedingungen und bei Temperaturen, die dauerhaft zwischen minus 25 und 31 Grad Celsius lagen, einsatznah und im Langzeitversuch zu erproben.
Insgesamt umfasste die CET-Testkampagne mehr als 45 einzelne Funktionsnachweise sowohl am Boden als auch mit 17 Flügen, bei denen die fehlerfreie Funktion des gesamten Flugzeugs und seiner Bordsysteme im geforderten Tieftemperaturbereich verifiziert wurde. Zur Vorbereitung jedes dieser Testschritte wurde der Eurofighter über Nacht ungeschützt den Witterungsbedingungen ausgesetzt. Somit war sichergestellt, dass die Kälte buchstäblich jeden Winkel der Flugzeugzelle und der eingebauten Systeme durchdrang, was auf Englisch zutreffend „Cold Soak“ bezeichnet wird. Mit dem solchermaßen tiefgekühlten Kampfflugzeug wurden beispielsweise die Verfahren bis zur Flugklarmeldung und das Einhalten einer zweistündigen Sitzbereitschaft im autonomen Betrieb, bei dem die Flugzeugsysteme lediglich über die bordeigene Hilfsturbine versorgt werden, erprobt und für die Nutzer-Luftwaffen dokumentiert. Im Mittelpunkt des Test-Interesses stand naturgemäß auch das Verhalten aller mit Flüssigkeiten in Zusammenhang stehenden Flugzeugkreisläufe, etwa für Hydraulik und Kraftstoff nebst den dazugehörigen Aggregaten, wie Pumpen, Fahrwerk, Luftbremse sowie der Klimaanlage.
Das rund 50-köpfige Kampagnenteam bestand aus EADS Militärflugzeuge Spanien, dem spanischen Triebwerkshersteller ITP als Partner im Eurojet-Konsortium sowie der INTA, das dem Madrider Verteidigungsministerium unterstehende Staatliche Institut für Luftfahrtforschung. Zur Überwachung und Speicherung der gewonnenen Testdaten war unter anderem eine mobile MIDS-Bodenstation (Multiple Information Distribution System) nach Vidsel gebracht worden. Integraler Bestandteil von CET war darüber hinaus auch der routinemäßige Bodenbetrieb wie das Öffnen und Schließen von Wartungs- und Bedienklappen, das Betanken und die Be- und Entladung von unterschiedlichen Außenlasten bis hin zu einem maximalen Landegewicht von knapp 19 Tonnen.
Ironischerweise waren die Temperaturen auf der schwedischen Luftwaffenbasis Vidsel, sonst eiskalter Garant für knackiges Kühltruhen-Klima, anfänglich für die CET-Bedingungen zu ‚mild’. Diese Phase nutzte das Eurofighter-Team für außerplanmäßige Zusatz-Tests wie etwa das Rollen und Bremsen auf völlig vereisten oder verschneiten Startbahnen. Auch hier zeigte sich, dass auf den Eurofighter hinsichtlich Richtungsstabilität und Bremsverhalten absolut Verlass war.
Nach dem Rückflug von IPA4 ins heimatliche Getafe, der mit einem Zwischenstopp beim deutschen Jagdgeschwader 73 „Steinhoff“ in Laage bei Rostock absolviert wurde, zog Fernando Plaza, Programmdirektor bei EADS Militärflugzeuge in Spanien, Bilanz: „Wir sind sehr stolz darauf, den erfolgreichen Abschluss dieser Kampagne verkünden zu können. Alle CET-Programmpunkte wurden erfüllt und damit der Nachweis erbracht, dass der Eurofighter auch unter diesen extremen Umweltbedingungen allen operationellen Forderungen mehr als gerecht wird. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass das Flugzeug und seine Systeme trotz des arktischen Ambientes mit einer phänomenal positiven Klarstandsrate aufwarten konnte.“ Wie Plaza betonte, seien die Kältetests besonders exemplarisch, als IPA4 vor Beginn der Testreihe auf den aktuellsten Konfigurationsstand einschließlich der Integration der direkten Spracheingabe gebracht worden sei. Der spanische Programmleiter dankte allen beteiligten Firmenangehörigen und Institutionen, die zum Gelingen dieses wohl längsten Kälteversuchs in der militärischen Luftfahrtgeschichte beigetragen haben.