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Im Südwesten des Flughafen Oslo-Gardermoen (ENGM/OSL) befindet sich eine der größten Flugzeugmuseen Norwegens. Den Schwerpunkt der im Besitz der norwegischen Streitkräfte befindlichen Sammlung bilden Kampfflugzeuge aus der Zeit des Kalten Krieges, des 2.Weltkrieges und seltene Exemplare aus der Anfangszeit der Fliegerei in Norwegen
Im Folgenden ein paar Informationen zu den Exponaten und
ihrer Geschichte.
5J+CN
He111 P-1 c/n 1526
Diese Heinkel wurde 1938 gebaut. Sie wurde zunächst als
33+C25 von der 5.Staffel der II.Gruppe des Kampfgeschwaders 253 eingesetzt. Im
Mai 1939 wurde die Einheit in Kampfgeschwader 4 General Wever umbenannt und die
Maschine bekam die Kennung 5J+CN im Juli 1939. Das KG4 wurde am 23.April 1940
von Fassberg nach Oslo/Fornebu verlegt und schon am darauffolgenden Tag kam
diese Heinkel bei der Bombardierung Namsos zum Einsatz. Am 25.April war die
Maschine bei Angriffen auf die Gloster Gladiators der 263 Fighter Squadron auf
dem zugefrorenen See Lesjaskogsvatn beteiligt. Am 26.April startete die 5J+CN
mit zwei weiteren Heinkel zu einem bewaffneten Aufklärungseinsatz. Beim
Überflug des Romsdalsfjord wurde die Maschine von der Flugabwehr der HMS
Manchester am rechten Triebwerk getroffen. Das wurde von der Besatzung nicht
bemerkt. Nach dem Abwurf ihrer Bomben über Åndalsnes wurden die Heinkel von
Blackburn Skuas der 801 sqn (Fleet Air Arm) vom Flugzeugträger HMS Ark Royal
angegriffen. Der Bordingenieur der 5J+CN wurde vom ersten Feuerstoß getötet.
Den Besatzungen der Skuas gelangen weitere Treffer. Der Bordfunker wurde
verletzt und der Pilot konnte die schwer beschädigte Maschine nur mit Mühe in
der Luft halten. Eine Notlandung war unausweichlich und er brachte die Maschine
nahe Digervarden, südlich von Lesjaskog runter. Die Überlebenden flohen in
Richtung der eigenen Linien, wurden aber am 30.April von einer norwegischen
Skipatrouille festgenommen und den Briten übergeben. Den Rest des Krieges
verbrachten sie in Kriegsgefangenschaft in Kanada. Die 5J+CN blieb am
Absturzort zurück. Nach dem Krieg wurde das Wrack von Souvenirjägern
ausgeschlachtet und von Vandalen beschädigt. 1976 wurde das Wrack geborgen und
eine Restaurierung begann, so daß die Maschine heute fast wieder im
Originalzustand bestaunt werden kann. Leiter der Restaurierung war Captain
Øystein Mølmen, der das Wrack 1943 im Alter von 14 Jahren zum ersten Mal sah.
20/U
Northrop N-3PB
Norwegens Streitkräfte waren weltweit die einzigen die
dieses Wasserflugzeug einsetzten. 24 Maschinen wurden am 12.03.1940 bestellt
und hauptsächlich für die Bekämpfung von U-Booten und als Eskorte für
Schiffkonvois auf dem Weg von den USA und Kanada nach Großbritannien und
Murmansk eingesetzt. Die N-3PB sollte die MF-11 der norwegischen Marineflieger
ersetzen. Erstflug der N-3PB war am 01.November 1940. Aufgrund der Besetzung
Norwegens durch deutsche Truppen 1940 wurden die Maschinen nach
Reykjavik/Island ausgeliefert. Die Auslieferungen begannen 1941. Geflogen
wurden die Maschinen von der No.330 Norwegian squadron der Royal Air Force.
Zwei Maschinen überlebten den 2.WK und wurden nach Norwegen geflogen. Dort
wurden sie jedoch in den 1950er verschrottet. In den 1970er wurde in Island ein
N-3PB Wrack entdeckt und geborgen, von Northrop restauriert und diese Maschine
ist in der Sammlung in Gardermoen zu sehen! Die 330.Staffel wurde am 25.04.1941
aufgestellt und es war die erste im Exil. Sie war Teil der Royal Air Force und
den norwegischen Marinefliegerkräften (Royal Norwegian Navy Air Service/RNNAS).
Neben N-3PB wurden ab Juni 1941 auch Catalinas zum Einsatz. Neben Reykjavik
wurde auch von Akureyri aus geflogen. Am 28.01.1943 wurde die Staffel nach Oban
in Schottland verlegt und begann mit der Umrüstung auf die Sunderland.
25
Farman F.46-80R
1919 beschloß Norwegen ein neues Trainingsflugzeug zu
beschaffen. Zwei Farman F.46 sollten beschafft werden was vom Personal stark
kritisiert wurde, da deren Technik als genauso veraltet galt wie die ihres
Vorgängers.
Die erste Farman F.46 wurde am 08.September 1920 von
Captain Einar Sem-Jacobsen getestet. Danach wurde die Maschine nach Kjeller verschickt,
wo sie am 20.November eintraf. Nach dem Zusammenbau bekam sie die Kennung 25
und wurde am 20.Januar 1921 der Flugschule übergeben. Bis September 1925 betrug
die Anzahl der Flugstunden 6h13min und dabei blieb es. Am 30.November 1928
wurde die 25 außer Dienst gestellt und in Kjeller eingelagert.
329 Saab 91B Safir
Zur fliegerischen Grundschulung wurde in Norwegen Anfang
der 1950er die Fairchild Cornell genutzt. Bei der Suche nach einem Nachfolger
setzte sich 1954 die Saab Safir durch. 25 Saab 91-B2 wurden bestellt und von
1956-57 ausgeliefert. Als Kennung wurden U-AB bis U-AZ vergeben.
Aufgrund von Geldmangel waren die Safirs bis 1982 bei
der norwegischen Luftwaffe im Einsatz, obwohl bereits Anfang 1973 nach einem
Nachfolgemuster gesucht worden war. Im Herbst 1978 wurden sogar noch fünf
gebraucht Safir von der schwedischen Luftwaffe gekauft.
Die 329 traf am 19.Januar 1957 in Kjeller ein und am
26.Januar 1957 an die Flugschule in Værnes übergeben. Die folgende Einsatzzeit
gestaltete sich wie folgt:
29.07 1957 Ørland
06.08.1957 Værnes
03.01.1968 Ørland
Januar 1973 Værnes
Im Mai 1982 wurde die
Safir nach 5300 Flugstunden außer Dienst gestellt.
F-5A/B
Auf der Suche nach einem Nachfolger für die F-86F &
K kamen drei Muster in die engere Wahl: Douglas A-4D, Lockheed F-104H und
Northrop F-5. Im September und Oktober 1963 testeten Piloten der norwegischen
Luftwaffe diese drei Muster in den USA. Im Januar 1964 wurde die F-5 ausgewählt
und das norwegische Verteidigungsministerium akzeptierte diese Entscheidung im
darauffolgenden Juni. Alle Maschinen wurden von Kalifornien/USA nach Norwegen
überflogen. Die ersten elf Maschinen (9 F-5A & 2 F-5B) landeten am
26.Februar 1966 in Sola. Am 22.März 1966 wurden sie dann bei der 336skv in
Rygge in Dienst gestellt. Insgesamt wurden 56 F-5a und sechs F-5B beschafft.
Das reichte jedoch nicht um sechs Staffeln zu bestücken. So wurden weitere
Maschinen beschafft: 22 F-5A, 16 RF-5A und acht F-5B. Die letzten acht F-5
(alles F-5A) trafen im Dezember 1970 in Norwegen ein. Folgende Staffeln flogen
die F-5:
332skv Juni 1966-Dezember 1972
334skv Juli 1967-Januar 1974
336skv März 1966-1999 und 199 bis 31.12.2007 als
336skv/EOT (Eye of the Tiger Programm)
338skv September
1966-August 1985
717skv April
1969-August 1979 (RF-5A)
718skv Mai
1968-Januar 1983
Außer Dienst gestellte F-5 wurden an die USA
zurückgegeben und gelangten später nach Griechenland und in die Türkei. Die
zuletzt beim Eye of the Tiger Programm genutzten F-5 gingen über Lockheed
Martin an die Luftwaffe der VAE.
105 RF-5A Cockpit c/n 1006 (US serial 68-9105)
Übernahme in den USA am 03.Juli 1969. Das R steht für
Photo Reconnaissance (Fotoaufklärer). Am 16.August 1969 traf die Maschine in
Norwegen ein und wurde bei der 717skv in Dienst gestellt, damals noch mit der
Kennung AZ-M. Im September 1972 wurde daraus die 105. Am 15.August 1979 wurde
die 717skv außer Dienst gestellt und die Maschine ging an die 336skv. Am
16.November 1982 wurde sie außer Dienst gestellt und in Sola eingelagert. Am
19.August 1985 ging die Maschine als Ausbildungsmittel nach Kjevik. Anfang 1999
wurde sie dann nach Gardermoen gebracht.
208 F-5A c/n 7031 (US serial 66-9208)
Übernahme in den USA am 10.Januar 1967. Diese F-5 traf
am 23.Februar 1967 in Norwegen ein und ging zunächst als AH-O an die 332skv.
Bei der Umstellung des Kennungssystems im September 1972 erhielt sie die
Kennung 208. Später war der Jet bei der 718skv und 336skv im Einsatz. Die
Tigerlackierung erhielt die Maschine Mitte 1994. Am 14.Februar wurde die 208
nach Gardermoen geflogen.
594 F-5B c/n 9003 (US serial 65-10594)
Übernahme in den USA am 24.Mai 1966 Am 18.Juni 1966
landete diese Maschine in Rygge. Als AH-Z wurde sie bei der 332skv in Dienst
gestellt. Als AZ-Q wurde sie später bei der 717skv genutzt. Zuletzt flog sie
bei der 336skv. Ihren letzten Flug absolvierte der Jet am 09.Mai 1994 in Rygge
und wurde anschließend eingelagert. Anfang 2000 wurde die Maschine Bestandteil
der Ausstellung in Gardermoen.
469 Lockheed TF-104G c/n 583D-5779 (US serial 63-8469)
Die ersten 13 Starfighter (F-104G) für die norwegische
Luftwaffe trafen am 07.August 1963 in Bodø ein. Sie wurden Norwegen von den USA
kostenlos zur Verfügung gestellt. Drei weitere F-104G und zwei TF-104G trafen
Ende 1963 ein. Die 331skv in Bodø war zunächst der einzige Nutzer des
Starfighters und das Abfangen sowjetischer Luftfahrzeuge wurde schon bald zur
Routine. Später wurde die 334skv ebenfalls zum Nutzer des Starfighters. 1965-66
wurden drei weitere F-104G beschafft, als Ersatz für bei Abstürzen verlorengegangene
Maschinen. 1975 wurden nochmal zwei TF-104G übernommen.
Die 469 wurde zusammen mit einer weiteren TF-104G am 08.Juni 1975 an Norwegen ausgeliefert. Zuvor
war der Starfighter als KF+271 (später 27+70) bei der Luftwaffe im
Trainingszentrum in Luke AFB/Arizona im Einsatz. Nach Außerdienststellung war
die Maschine am 26.Juli 1972 eingelagert worden, bevor sie dann an die
norwegische Luftwaffe ging. Zunächst war die 469 bei der 331skv in Bodø im
Einsatz, ab 08.Juli 1981 bei der 334skv am selben Standort. Ein Jahr später
wurde sie außer Dienst gestellt. Am 09.Juli 1982 wurde sie für den Erhalt als
Museumsstück bestimmt und vier Tage später nach Gardermoen geflogen. 13 weitere
F-104 wurden an die USA zurückgegeben, welche diese wiederum an die Türkei
übergab.
505 Interstate S.1A Cadet ex LN-DAV c/n 203
Die Dienstzeit der Interstate Cadet bei den norwegischen
Streitkräften war kurz. Zwei in den USA lebende Norweger, Thor Solberg &
Peter Sivertsen, schenkten zwei Maschinen dieses Typ dem Trainingslager der
Norweger in Kanada in Toronto Island, wo diese im März 1942 eintrafen. Im
Frühjahr 1945 wurden die Maschinen zerlegt und nach Norwegen verschifft. Am
06.Juli 1946 wurden sie an den Norsk Aero Klubb abgegeben.
Ursprünglich 1941 als NC37360 zugelassen bekam sie nach
Übernahme durch die norwegischen Streitkräfte die 505. Nach der Übernahm durch
den Norsk Aero Klubb wurde die Cadet am 26.Juli 1946 als LN-DAV zugelassen. Am
14.April 1952 stürzte die Maschine ab, wurde eingelagert und am 15.März aus dem
norwegischen Luftfahrtregister gelöscht. Enthusiasten der Norsk Flyhistorik
Forening entdeckten die Maschine. Am 13.Mai 1970 ging die Maschine in den
Besitz dieser Vereinigung und wurde in fünf Jahren restauriert und 1985 der
Sammlung in Gardermoen geschenkt.
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