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Ende April wurden um 14 Uhr im Hangar 3 des Luftwaffenmuseums der Bundeswehr Berlin-Gatow zwei Sonderausstellungen eröffnet:

„Gustav Otto - Pionier der bayerischen Luftfahrtindustrie"

Eine Ausstellung des Vereins zur Erhaltung der historischen Flugwerft Oberschleißheim e.V. „Der Werftverein.

Gustav Otto, Flugzeugbauer der ersten Stunde und Sohn von Nikolaus August Otto, Erfinder des Viertakt-Verbrennungsmotors hat als Flugzeug- und Motorenbauer besonders im Münchener Raum die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstehende Motorfliegerei mitgeprägt. Er war nicht nur der erste bayerische Flugzeughersteller, sondern einer der ersten deutschen Piloten und Flugausbilder überhaupt.

Die Ausstellung - vom „Werftverein" konzipiert - wurde letztes Jahr in der Zweigstelle des Deutschen Museums "Flugwerft Schleißheim" gezeigt. Schleißheim war der Standort der 1912 gegründeten Königlich Bayerischen Fliegertruppen, die vorwiegend mit Doppeldecker-Flugzeugen der Firma von Gustav Otto ausgerüstet wurden.

Der von ihm gebaute Doppeldecker wurde zum Standardflugzeug der bayerischen Fliegertruppe. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges aber zeigte es sich, daß es für den Fronteinsatz ungeeignet war. Gustav Otto war gezwungen, andere Flugzeuge in Lizenz zu bauen. 1916 schließlich ging die Flugmaschinenfabrik in Konkurs und wurde von einem Banken-Konsortium unter neuem Namen übernommen.

Im gleichen Jahr gründete Gustav Otto eine neue Firma, in der er neben luftfahrtfremden Produkten - ab 1920 auch Flottweg-Kleinmotorräder - vor allem LVG-Flugzeuge in Lizenz herstellte.
Doch die nach Kriegsende einsetzende Inflation, gesundheitliche Probleme und familiäre Rückschläge brachten ihn 1926 in eine ausweglose Situation, die zu seinem Selbstmord führte.

Doch sollte - neben weiteren Firmen - aus Ottos in Konkurs gegangenen Flugmaschinenwerken schließlich eines der größten deutschen Automobilunternehmen werden: die Bayerischen Motorenwerke AG (BMW). Noch heute erinnert das Firmen-Emblem, der Kreis mit den weißblauen Feldern als Abbild eines sich drehenden Flugzeugpropellers, an die Herkunft von BMW.
Die Ausstellung dokumentiert auf 150 Quadratmetern anhand von 30 Bild/Texttafeln das Leben und Werk Gustav Ottos. Unter den Objekten befinden sich Archivalien wie Prospekte, Broschüren und Plakate seiner Firmen, aber auch Raritäten, wie eines der von ihm gebauten Flottweg-Motorräder.

 

sky and more"
Photos von Jörg Franzen

Die zweite Ausstellung des Amateurphotographen Jörg Franzen aus Berlin beleuchtet in 24 Aufnahmen seine Eindrücke von den Exponaten im Freigelände des Luftwaffenmuseums. Die Bilder entstanden während zweier Museumsbesuche im Sommer 2005. Nach Sichtung der Ergebnisse entstand beim Photographen die Idee zu einer Ausstellung im Luftwaffenmuseum, die bei der Museumsleitung Unterstützung fand.

Wie der Titel „sky and more " bereits verrät, spielt der „Himmel über Berlin" in der überwiegenden Zahl der Photographien eine besondere Rolle. Bizarre Wolkengebilde, wie sie nur an wenigen Tagen im Jahr über Berlin zu sehen sind, verzieren den Bildhintergrund und geben den Aufnahmen eine besondere Note.

Im Vordergrund stehen aber die Exponate des Außengeländes: Es sind die Militärflugzeuge des Kalten Krieges beiderseits des „Eisernen Vorhanges". Vom Starfighter der Bundesluftwaffe bis zur MiG-21 der Luftstreitkräfte der ehemaligen DDR reicht der Querschnitt. Mal in Farbe, mal in Schwarzweiß werden entweder Detail- oder Totalansichten in den Photographien gezeigt. Einige Aufnahmen wirken wie Portraits - Portraits von Maschinen, deren tödliche Last in Summe die Militärdoktrin einer Epoche prägte: Abschreckung. Der Bildautor versucht, in einigen Bildern das Thema „Bedrohung" zu transportieren; insbesondere in der Aufnahme mit dem Titel „up and away". Andere Photographien wirken hingegen weniger bedrohlich; farbenfrohe Anstriche einzelner Maschinen vermitteln fast schon so etwas wie Lebensfreude.

Informationstafeln zu den Bildern beschreiben kurz das Dargestellte und sollen den Betrachter beim Reflektieren und Interpretieren unterstützen. Die Ausstellung soll Anregung und Anstoß zugleich sein für eine kritische Würdigung eines Bedrohungsszenarios, das die letzte Hälfte des letzten Jahrhunderts nachhaltig prägte. Thema der Ausstellung ist aber auch die Bildmanipulation; alle Aufnahmen wurden digital nachbearbeitet. Oder: (Bild-) Wirklichkeit und Photoshop & Co - ist der Photographie noch zu trauen?

Kontakt und Besucherinformationen:
Adresse: Kladower Damm 182, 14089 Berlin
Internet: www.luftwaffenmuseum.de
Eingang: Ritterfelddamm / Am Flugplatz Gatow
Telefon: Di. - Fr. Tel.: 36 87 - 26 01,
Sa. und So. Tel.: 36 87 - 26 04
Öffnungszeiten: Di. - So. 9 - 17 Uhr, Einlass bis 16 Uhr,
Eintritt frei
Bus: Linie 135: Haltestelle Seekorso / Luftwaffenmuseum

Die Ausstellungen sind vom 28. April bis zum 17. September 2006 im Erdgeschoß des Hangars 3 zu sehen. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 9 bis 17 Uhr (letzter Einlaß 16 Uhr) geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Quelle: luftwaffenmuseum.de

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